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2026-01-29 20:39 UTC
Der 45min Vortrag "Wie Big Tech Demokratie und Öffentlichkeit kaputtmacht" von @martinandree ist ein echter Banger und super Futter für den #diday:
(05:48) [A]b wann sind denn die digitalen Medien wichtiger als die analogen? Das ist ganz interessant, dass wir diesen Punkt bereits hinter uns haben, das ist während der Covid-Pandemie passiert.
(13:22) Das ganze Geschäftsmodell der Plattformen basiert auf Traffic-Manipulation und deswegen können sie entscheiden, was die Menschen draußen zu sehen bekommen und was nicht.
(36:48) Wir sind ja eigentlich so ein bisschen wie dieser Vogel, der in dem Käfig sitzt und der schon so lange in diesem Käfig sitzt, dass der Vogel sich gar nicht mehr vorstellen kann "wie sieht denn überhaupt eine Welt in Freiheit überhaupt aus?" Und der Vogel sitzt schon so lange in diesem Käfig, dass der Vogel gar nicht merkt, dass die Tür sperrangelweit aufsteht. Der könnte hier sofort rausfliegen. Denn wir sind ja alle Chefs und Chefinnen in Deutschland. Wir können machen, was wir wollen. Wir haben noch ein freies Land. Wir sind eine Demokratie.
(37:25) Wenn wir nach Lösungen suchen, ist meistens das zweite oder dritte Wort, was die Menschen sagen: "Regulierung. Da müssen wir jetzt mal was tun, das kann ja nicht sein."
Und ich weiß nicht, ob Ihnen was auffällt, aber wenn wir nur das Wort Regulierung aussprechen, spielen wir wieder nach dem Drehbuch der Tech-Konzerne. Wir machen genau das, was Sie von uns wollen. Und ich erkläre Ihnen, warum. Sie müssen sich das vorstellen, dass es eben zwei Seiten gibt [...]:
Es gibt die Seite des schönen Scheins, das Plüschhäschen, was Sie uns vor die Nase halten. Free speech, we give you access, participation, interaction und so weiter und so fort.Und es gibt die dunkle Seite, die Medienmonopole, dass die Tech-Konzerne diese Medienmonopole kontrollieren und dass damit unsere eigene Gestaltungsmöglichkeit für unser eigenes demokratisches Forum ausgehebelt wird.Und jetzt könnte ich ja auf der einen Seite ansetzen oder auf der anderen Seite. Ich könnte auf der Seite des verführerischen schönen Scheins ansetzen oder ich könnte auf der wirklich üblen Seite ansetzen.
Und wissen Sie, was wir machen? Wir sind tatsächlich so doof, dass wir auf der Seite des schönen Scheins ansetzen. Denn dann ist es so, dass die Tech-Konzerne als diejenigen darstellen, die uns das freie Internet geben: Sie schenken uns das freie Internet, erzählen so eine Geschichte. Das Internet ist frei und die nervigen Regulierer aus Brüssel, die sollen da bitte mal ihre Finger von halten. "Lass das mal unsere Sache sein." Sie sind die Befreier und wir sollen dann so Leute sein, die Freiheiten einschränken, regulieren, kontrollieren, sperren, das nennen sie dann Zensur oder Internetpolizei und so weiter und so fort.
Wogegen doch in Wirklichkeit das genaue Gegenteil der Fall ist. Die Tech-Monopolisten kontrollieren das Internet, das eigentlich alle Menschen gehören. Und wir müssen von daher auf der anderen Seite einsetzen. Wir müssen diejenigen sein, die
das Internet öffnen,die Zugänge schaffen,die Chancen ermöglichen,die Wettbewerb ermöglichen,die Wachstum und Zukunft schaffen.Und das Tollste daran ist, wenn wir uns das genau anschauen, ist es so, dass die Herrschaft dieser Tech-Monopolisten allesamt auf Rechtsprivilegien basieren.
[Haftungsprivileg.] Die haben es erstmal geschafft, dass sie früher gesagt haben, "wir sind gar keine Medien." [...] Aber dann waren die Regulierer damals so doof und haben den Tech-Konzernen es ermöglicht, Inhalte zu Geld zu machen, denn die verdienen auf dieselbe Art und Weise wie jeder andere Medienanbieter auch ihr Geld. Bei RTL schaut man Programm: Werbung. In der Zeitung sieht man Text: Werbung. Bei Facebook und Instagram sieht man Inhalt: Werbung. Das heißt, die haben eine ganz krasse Fehlregulierung betrieben, weil sie gesagt haben, hey "Ihr könnt im Prinzip wie Netzwerkanbieter unterwegs sein. Ihr braucht keine Haftung zu übernehmen für das, was ihr zeigt, aber ihr könnt Geld verdienen wie Redaktion." [...] Warum müssen die dann nicht haften? Kennen Sie einen anderen Fall, wo milliardenschwere Akteure nicht haften müssen für die Inhalte, die sie zu Geld machen? [...]Straftatenprivileg. Die Tech-Konzerne dürfen bis heute sogar mit strafbaren Sachen Geld verdienen. [...]Monopolprivileg. In der analogen Welt dürfen Sie in Deutschland überhaupt keine Medienmonopole betreiben. Nur mal als Beispiel, niemals dürfte es einen Monopolisten fürs Fernsehen geben. Da gibt es 30% Marktanteil zur Obergrenze. Hier haben wir gesagt, kein Problem. [...]Instrumentalisierungsprivileg. Warum kann Elon Musk seine eigene Plattform für Wahlkampfzwecke nutzen? Wäre niemals möglich bei einem Fernsehsender. Hier kein Problem, es sind ja keine Medien. [...]Einsperrprivileg. Die Plattformen dürfen Mauern um ihre Angebote bauen, sodass Sie eigentlich kaum mehr rauskommen. Das kennen Sie zum Beispiel bei Instagram, wenn Sie da rausgehen wollen und dann irgendwo so ein Link in der Bio. [...]Das sind alles Rechtsprivilegien, ohne die diese Vormacht sofort in Staub zerfallen würde. Von daher müssen wir eigentlich nichts anderes tun, als den Menschen die Stimme wiederzugeben, die sie ja längst verloren haben unter den Bedingungen der digitalen Monopole. Denn die Monopolisten lügen, wenn sie sagen, dass sie ihnen eine Stimme geben, denn Sie dürfen dieses Forum nicht mehr selbst gestalten. Warum setzen wir nicht einfach eine Regel ein, Oversightboards für Plattformen? Wer Plattformen den Menschen bietet, der muss ihnen auch eine Stimme geben, dass sie diese Plattformen mitgestalten dürfen. Denn eins ist sicher, wenn Sie die Menschen fragen, die wollen nicht das Hass- und Lügen-Internet, was wir gerade haben. Und die Menschen würden dieses Forum ganz anders gestalten.
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